Keine Konversationen über Emotionen, bitte!
So mancher Möchtegern-Poet schwafelt gerne von »großen Emotionen« und ist damit leider nicht allein: Eine kurze Suche bei Google nach dieser Wortkombination entdeckt eine Vielzahl fehlgeleiteter Journalisten, Webseiten-Pfleger und Autoren, die es allesamt ganz unverblümt von »großen Emotionen« haben. Die Leerheit dieser durchgekauten Phrase soll allerdings nicht das Thema dieser Glosse sein. Vielmehr geht es hier um Vorzüge deutscher Begriffe gegenüber gleichbedeutenden Fremdwörtern.
Hat man am Ende noch eine »Konversation über große Emotionen« ist die Katastrophe komplett. »Emotion« und »Konversation« sind zu Ungunsten der schönen Sprache sehr beliebte Fremdwörter. Dabei gibt es für beide nach gleicher Form ableitbare, vortreffliche deutsche Versionen.
Beide den Begriffen zugrunde liegenden deutschen Verben - also »fühlen« und »sprechen« - lassen sich auf gewöhnliche Art substantivieren: »fühlen« wird zu Gefühl und »sprechen« zu Gespräch. »Gefühl« und »Gespräch« sind im Gegensatz zu ihren Fremdwort-Kollegen mit dieser offensichtlichen Herkunft nicht bloß leere Buchstabensammlungen und für den Deutschsprecher unteilbare Wort-Atome, sondern schöne Begriffe, die für sich selbst sprechen und mehr greifbaren Inhalt haben.
Über »Gefühl« anstatt »Emotion« freut sich auch ein drittes Wort: das »Mitgefühl«. Im Gegensatz zur leider häufig genannten »Empathie« erzeugt es wirkliche Emotionen - ich meine natürlich: Gefühle - und malt den eigenen Sinn zwischen die Buchstaben. Wer fühlt, der kann Gefühle haben und wer sich in andere hineinfühlen kann, der hat Mitgefühl. Versuchen Sie das mal mit den nichtsnutzigen Fremdwörtern!
Ganz nebenbei haben die »großen Gefühle« einen weiteren klaren Vorzug: Sie bilden eine astreine Alliteration!
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